Neue Arbeitsformen in Osttirol: Co-Working auf dem Land



Keines gleicht dem anderen, und Osttirol hat das Potenzial für ganz besondere Co-Working Spaces. Das ist das Fazit des Online-Workshops „Co-Working in Osttirol. Ideen, Potenziale und Geschäftsmodelle” vom 18. November 2020. Der Online-Workshop fand im Rahmen von Vordenken für Osttirol statt. 

Rund 30 Teilnehmer nahmen an dem zweistündigen Workshop teil, durch den Hans-Peter Sander vom Ammersee Denkerhaus und Jule Lietzau von CoWorkLand führten. Auch Veronika Engel vom Coworkation Alps und Herwig Zöttl vom Raum 13 in Innsbruck schalteten sich dazu. Sie teilten ihre vielfältigen und langjährigen Erfahrungen und hoben hervor: Co-Working Spaces beweisen Flexibilität auch in Krisenzeiten. Und: Sie sind mehr als nur ein Arbeitsplatz außer Haus. Sie sind ein Ort der Begegnung, ein Platz, an dem man sich austauschen kann, wo Synergien entstehen und trotz unterschiedlichster Branchen und Projekte Gemeinsamkeit großgeschrieben wird.  

Und das ist, was jedes Mitglied einer solchen Community antreibt, ganz gleich, wo auf der Welt sie sich befindet. Alpine togetherness, CommunityNaturliebhaberinStadtLandGemeinsam geht mehr, Zukunft Berge – diese Stichworte stehen für ein neues, unabhängiges und erweitertes Arbeiten. Remote Working und Co-Working kommen nicht nur kreativen Einzelkämpfern zugute, sondern auch Unternehmen, die sich auf ihre Mitarbeiter einstellen und nachhaltig agieren.  

Die Kalser Bürgermeisterin Erika Rogl ist dabei, einen Raum für Co-Worker zu schaffen. Das Potenzial ist da: Die attraktive Landschaft und das Gebäude in zentraler Lage bieten jede Menge Potenzial. Dazu kommt, dass die Gemeinde selbst die innovative Gründerin ist und das Ziel, einen solchen Arbeitsraum zu schaffen, dem Gemeinwohl dient. Bleibt noch ein Raumkonzept zu erstellen, notwendige Umbauarbeiten zu leisten und Fördermöglichkeiten zu prüfen – und das Marketing freilich, um den neuen Raum bekannt zu machen. Denn die Anbindung an Metropolen ist „ein bisschen hakelig“, doch bei rund 280.000 Nächtigungen pro Jahr lässt sich sicher eine Lösung finden.   

Schließlich ist Co-Working nicht gleich Co-Working. Sieben unterschiedliche Typen schüsselt Jule Lietzau hier auf:  Klassische Freiberufler nutzen das neue Arbeitsmodell, weil sie es dem Homeoffice schlicht vorziehen. Dann gibt es Pendler, die sich mehrmals die Woche die lange Anfahrt zum Betrieb sparen und effektiver von Zuhause aus oder eben lieber in der Nähe in einem sogenannten Pendler Hub arbeiten. Der Bottom Hub steht für eine Community, die größten Wert auf Individualität und Flexibilität legt; Engagement – auch ehrenamtlich – wird hier großgeschrieben. Wer zusätzlich zu einer inspirierenden Gemeinschaft einen Platz zum Übernachten oder größere Räume für Workshops und Meetings sucht, der ist beim Typ Retreat gut aufgehoben. Workation heißt das Zauberwort für alle, die in einer idyllischen Umgebung arbeiten wollen, also dort, wo andere Urlaub machen. Der Typ Neue Dorfmitte bietet zusätzlich Kleinstadtleben mit lokaler Versorgungsstruktur. Und dann gibt es noch die Gemeinschaften – oftmals ein Zusammenschluss junger Familien -, die den ländlichen Wohnraum bevorzugen, jedoch mit stadtähnlicher Versorgung. 

© CoWorkLand


Matthias Scherer, Bürgermeister in Obertilliach, lotet ebenfalls alle Chancen und Möglichkeiten für ein Co-Working Space in seiner Gemeinde aus. „Wir wollen vor allem die Pendler ansprechen, die ein-, zweimal die Woche zuhause sind“, sagt er. Er sieht große Chancen darin, die Dorfmitte zu beleben und viele Menschen „wieder zurückzuholen“. Schließlich profitieren nicht nur Arbeitnehmer wie Unternehmen davon, sondern auch Nahversorger und Cafés, Ärzte und Apotheken.

RMO-Geschäftsführer Michael Hohenwarter hat bereits ein Follow-up zu diesem Workshop angekündigt „An der Förderung soll es nicht scheitern“, sagt er zuversichtlich. „Im ersten Schritt geht es um die Menschen, die das wollen.“  

Autorin:
Monika Hoeksema
www.mehrsalzmedia.com

© CoWomen/Unsplash

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