„Jetzt reicht’s ma!“ – Dölsacher erfindet Hochwasserschutz-Taschen


Aufs ams-Geld wollte er nicht warten nach der coronabedingten Kündigung im Herbst. Also setzte Wolfgang Oberkofler sich mit einem weißen Blatt Papier an seinen Küchentisch in Dölsach und begann zu zeichnen.  

Die Idee spukte schon länger in seinem Kopf herum. Beim Hochwasser 2018 während eines Feuerwehreinsatzes, im vergangenen Jahr erneut. „Dass wir da immer diese schweren, schmutzigen Sandsäcke herumtragen müssen“, dachte er sich und schleppte. Blieb ja nix. 
Nach der Kündigung hatte der gelernte Kraft- und Kranwagenfahrer Zeit. Rund zehn Jahre arbeitete er für ein Kärntner und Nordtiroler Unternehmen, das weltweit tätig ist. Fertigteilhäuser, Stahlarbeiten – hier war er in seinem Element.  

Jetzt beschäftigt er sich ausgiebig mit einem anderen Element: dem Wasser. Seit rund 35 Jahren ist der gebürtige Lienzer bei der Feuerwehr. Und immer diese Sandsäcke. 
„Wenn mir etwas nicht einleuchtet, dann hake ich so lange nach, bis es besser geht“, sagt er. „So bin ich einfach.“ Und so entstand die Idee zu einer Hochwasserschutztasche.  

© Wolfgang Oberkofler



Nach dem Zeichnen bestellte er hochwertige PVC-Planen, ähnlich denen von Lkws. Er schnitt und schweißte, testete, verfeinerte, probierte wieder. 
„Ohne meine Freunde, die mir mit Räumlichkeiten zum Schweißen, mit dem professionellen Zeichnen und guten Ideen geholfen haben, wäre ich längst noch nicht so weit“, sagt Oberkofler. 

Im Herbst konnte er – die INNOS GmbH war hier eine große Hilfe – das Patent anmelden. 400 Millimeter breit und ca. 800 Millimeter lang ist der Prototyp. Die Taschen lassen sich in jedem Gelände einsetzen, dank Ösen auch dort mit starkem Gefälle. Sie passen sich dem Untergrund an und liegen fest auf dem Boden. Dank ihrer UV-Beständigkeit halten sie viele Jahre lang und sind einfach zu reinigen. Das Abspritzen mit dem Wasserschlauch genügt.    

Aber das Beste: Leer lassen sich die platzsparend verstauen und vor allem leicht transportieren. Werden sie gebraucht – ob im Privathaushalt oder von der Feuerwehr – befüllt man sie einfach mit Wasser. „Innerhalb von 30 Sekunden sind die kleinen Taschen mit dem Gartenschlauch gefüllt“, sagt Oberkofler. Für die Feuerwehren gibt es sie auch in Groß, einfach zusammenzustecken über viele Kilometer hinweg. Im Augenblick kümmert sich der 48-Jährige um die Zertifizierungen. Denn das nächste Hochwasser wird wahrscheinlich nicht ausbleiben. Und bis dahin wäre es optimal, wenn man mithilfe neuer Hochwasserschutz-Taschen das Schlimmste abwenden könnte.  

Autorin:
Monika Hoeksema
www.mehrsalzmedia.com

© Wolfgang Oberkofler

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