Fair in die Zukunft: „Da tu ma uns zamm!“

Ganz ehrlich: Wer weiß, was die drei Buchstaben SDG bedeuten? Wer weiß, dass im Jahr 2015 knapp 193 Staaten dieser Erde gemeinsam eine Agenda verabschiedet haben, die 17 große Ziele für Nachhaltigkeit beinhaltet? Viele Menschen wissen das nicht, auch nicht in Osttirol. Dabei gibt es in unserer Region bereits ein großes Verständnis für eine nachhaltige Entwicklung, und nicht wenige Menschen setzen sich hier mit ihrem täglichen Tun dafür ein. Wie man diese Aktivitäten Einzelner nun zusammenzubringen und im Großen bekannter machen kann – das war Thema eines Online-Treffens. Mit spannendem Ergebnis.

Zuerst die Auflösung: SDG steht für „Sustainable Development Goals“, also für „Ziele nachhaltiger Entwicklung“. Auch Österreich zählt zu den 193 Ländern, die sich die sogenannte „Agenda 2030“ für nachhaltige Entwicklung auf die Fahne geschrieben haben. In den ersten beiden Zeilen der Resolution heißt es: „Diese Agenda ist ein Aktionsplan für die Menschen, den Planeten und den Wohlstand. Sie will außerdem den universellen Frieden in größerer Freiheit festigen.“

Vorreiter Bucklige Welt

Zur Online-Konferenz trafen sich knapp 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Bezirk, darunter von der Fairtrade-Arbeitsgruppe der Stadt Lienz, Vertreterinnen der beiden Fairtrade-Schulen, des Vereins Erholungslandschaft Osttirol, Vertreter der Kirche und des Regionalmarketings. Zu Gast war Alt-Bürgermeister DI Friedrich Trimmel, Obmann des Vereins Bucklige Welt in Niederösterreich. Hintergrund: Die Bucklige Welt durfte sich bereits vor rund 20 Jahren erste Klimamodellregion Niederösterreichs nennen; sie erhielt den Unesco-Preis für nachhaltige Bildung, gründete mit 28 Gemeinden die „Faire Region“ und erhielt kürzlich den Kulturpreis des Landes Österreich. Dazu gesellt sich eine Plattform mit rund 100 Betrieben, sie sich dort als Kulinarik-Region positionieren. Welch ein Erfolg. Wie kam es dazu?

Kreativ in Erinnerung bleiben

Trimmel nennt sofort eine Metapher: die Musikkapelle. Sprich: „Nur wenn man gemeinsam laut wird, wird man wahrgenommen“, sagt er. Wichtig sei das Vernetzen und die Projekte, die die Ziele erfüllen, in den Vordergrund zu stellen. Wo? Überall. In der Kirche, in Organisationen; auch Bildungsbeauftragte seien Botschafter. Ein konkretes Beispiel: Themen wie „Nachhaltige Städte“, „Kein Hunger“, und „Menschenwürdige Arbeit“ ließe sich in Unterrichtsfächern wie Geografie ansprechen. Und: Die Informationen so zu präsentieren, dass sie in Erinnerung bleiben, „dass a bissl rauscht, dass es wahrgenommen wird“. Er verweist auf eine kreative Medienarbeit.

Ein weltweites Programm lokal umsetzen

Was in Lienz in Sachen Nachhaltigkeit bereits passiert, kann sich sehen lassen. Seit 2019 ist sie Fairtrade-Stadt, es gibt zwei Fairtrade-Schulen, das Thema Gemeinwohlökonomie ist in einigen Betrieben präsent. Auch an guten Mobilitätskonzepten wird weiter gefeilt. Landwirte gehen verantwortungsbewusst mit Ressourcen um, der Trend zur Regionalität ist groß und wächst. Seit vergangenem Herbst gibt es sogar einen eigenen Städtekaffee, erhältlich im Trikont-Weltladen in Lienz.


Dessen Obfrau Maria Kraler liegen Fairness und Nachhaltigkeit besonders am Herzen: „Diese 17 Ziele sind ein weltweites Programm, das nur durch Einzelaktivitäten verständlicher wird“, sagt sie. Transparenz sei ein großes Anliegen. Und: „Unser Ziel ist das, was von einzelnen Menschen und Organisationen getragen und geschaffen wird, zu einer gemeinsamen großen Initiative zusammenzufassen. Global denken und lokal handeln“, sagt sie nachdrücklich.


Gemeinsam auf die Trommel hauen

Nach dem „Blick über den Tellerrand“ und vielen guten Ideen von Bucklige-Welt-Obmann Friedrich Trimmel regte Bürgermeisterin Elisabeth Blanik an, in einem Workshop auszuloten, welche Ziele bereits umgesetzt und welche den SDGs zuzuordnen sind. Auch Wirtschaftskammerobfrau Mag. Michaela Hysek-Unterweger nannte die Absicht, die vielen Einzelprojekte einmal „unter einem Mantel zusammenzufassen“ und stärker zu kommunizieren. Ihr Fazit: „Wir brauchen die Musikkapellen.“



Weitere Informationen:
www.sdgwatch.at

© Vereinte Nationen, Stadt Lienz/Dang Tran, Monika Hoeksema

Autorin:
Monika Hoeksema


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