Eine Stelle, doppelte (Frauen-)Power

New Work in Außervillgraten

Montagmorgen um acht Uhr kommen die aktuellen Themen der Gemeinde Außervillgraten auf den großen ovalen Besprechungstisch. Aktuell geht es um Themen wie Notstandshilfe und Baubegehren, Impfungen und Änderung der Schotteraufbereitung. Bürgermeister Josef Mair bespricht mit seinen beiden Amtsleiterinnen Annemarie Obetzhofer und Helene Mühlmann, was zu tun ist.

Helene Mühlmann (l.) und Annemarie Obetzhofer teilen sich seit Februar 2021 die Stelle der Amtsleiterin


Alle technischen Möglichkeiten ausschöpfen

Die beiden teilen sich die Stelle seit Februar dieses Jahres. Die eine ist zwei und die andere drei halbe Tage in der Gemeinde, in der darauffolgenden Woche wird gewechselt. Der Rest passiert im Homeoffice. Beide haben einen Arbeitsvertrag über 20 Stunden. Über Zuständigkeiten muss Bgm. Mair sich keine Gedanken machen: „Die beiden Kolleginnen tauschen sich optimal aus und ergänzen sich hervorragend“, berichtet er. Dazu stehen ihnen alle technischen Möglichkeiten zur Verfügung.

Reibungslose Abwicklung

Ob Laptop fürs Homeoffice, Internet via Glasfaser, Apps und interne Datenverarbeitungsprogramme: Sowohl Helene Mühlmann als auch Annemarie Obetzhofer wissen, welche Aufgaben die Kollegin schon bearbeitet hat. Ihre Wege sind kurz. Wenn’s mal irgendwo hakt, finden sie auf kurzem Weg rasch eine Lösung. Das kommt den rund 750 Außervillgraterinnen und Außervillgratern zugute. „Eine große Gemeinde oder die Stadt hat ihre Referate“, sagt Bgm. Mair. Hier decke eine Amtsleitung alle Fachbereiche ab, die intern reibungslos bearbeitet würden.

Man muss miteinander arbeiten können.“

Im Vorfeld sei er sich gar nicht so sicher gewesen, ob eine geteilte Stelle funktionieren könne, sagt er. Bisher war klar: Eine Amtsleiterin ist eine Person, und die ist 40 Stunden in der Woche erreichbar. „Aber beide Kolleginnen waren bei mir schon Amtsleiterinnen. Ich wusste, dass sie fachlich top und verlässlich sind. Nur ob die Arbeitsteilung gelingt, konnte ich nicht abschätzen.“ Einen Tipp hat er: „Es ist wichtig, dass die beiden, die sich eine Stelle teilen, gut miteinander können.“

Einfach ins Zeug legen

Und das tun sie. Im Vorfeld gab es viele Gespräche und die beiden wussten: Wir haben die gleiche Arbeitseinstellung. Verlässlichkeit, Loyalität und Transparenz haben oberste Priorität, die regelmäßigen persönlichen Besprechungen in der Gemeinde sind beiden wichtig.

Auch für einen reibungslosen Start in die geteilte Stelle legten sich Helene Mühlmann und Annemarie Obetzhofer ins Zeug: Ob Reform in der Bauordnung oder Freizeitwohnsitzabgabe, Änderungen bei der Friedhofsverwaltung oder überhaupt neue Computerprogramme – sie haben sich aufs Neue eingelernt und meistern nun das Tagesgeschäft mit umfangreicherem Aufgabengebiet.

Die Familie muss mitspielen

„Das hat geklappt“, sagt Helene Mühlmann. Die 38-Jährige ist zufrieden. Es würde viel mehr untereinander kommuniziert werden, es sei einfach ein anderes Arbeiten. Nur was die Kinderbetreuung angeht, hatten beide Kolleginnen im Vorfeld durchaus den einen oder anderen Vorbehalt. Ohne Kinderbetreuung und dem Rückhalt der Familie würde dieses Arbeitszeitmodell nicht klappen. „Das private Umfeld muss mitspielen“, sind sich beide einig. Die Kinder von Helene Mühlmann – sie sind zwei, fünf und acht Jahre alt – wissen, dass Mama arbeitet. Zwischendurch helfen die Großeltern, an Abenden der Gemeinderatssitzung bringt Mann Hubert den Nachwuchs ins Bett. Auch der zweijährige Josef von Annemarie Obetzhofer freut sich, wenn Papa mal die Gute-Nacht-Geschichte vorliest.

Zusätzliche Sicherheit für die Gemeinde

Nachteile der Stellenteilung fallen niemandem im Gemeindeamt ein. Im Gegenteil: Beide Frauen können im Wiedereinstieg nach der Karenz im erlernten und zuvor ausgeübten Beruf arbeiten. Zuhause hätten sie für bestimmte Arbeiten zudem mehr Ruhe. „Auch für die Gemeinde als Arbeitgeber gibt es die zusätzliche Sicherheit, wenn mal eine ausfällt“, sagt Bgm. Mair. Es sei immer eine Vertretung da.

Auf dem Weg zur verlängerten Kinderbetreuung

Längst habe man über eine gemeindeübergreifende Nachmittagsbetreuung mit Innervillgraten nachgedacht. Nun nimmt die Idee an Fahrt auf: Schon im Herbst sollen Kinder bei Bedarf bis 17 Uhr betreut werden. Die Nachfrage sei da, allein an Personal fehle es noch. Für viele andere Mütter würden sich neue Chancen ergeben. Annemarie Obetzhofer und Helene Mühlmann sind das beste Beispiel. Und der Bürgermeister steht voll dahinter.

Weitere Informationen:

Gemeinde Außervillgraten


©Monika Hoeksema


Autorin:
Monika Hoeksema

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