Blitzlichtgewitter über Lienz I Betty Sieber, Fotografin

Nach 25 Jahren Schauspiel, Mode und Blitzlichtgewitter kehrte Betty Sieber jetzt im Frühling 2021 nach Osttirol zurück. Natürlich mit Blitzlicht und Kamera – die Fashion-Fotografin eröffnete ein Studio in Lienz. 

Eigentlich war schon sehr früh klar, welchen Beruf Betty Sieber einmal ergreifen würde. Bereits als Mädchen fotografierte sie die Polaroid-Filme ihrer Mutter leer, die Aufsteckblitze hatten es ihr besonders angetan. Ihr Lieblingsspiel: Fotostudio, gemeinsam mit ihrer Schwester Manuela. So machte ihr die Lehre bei Foto Baptist auch viel Spaß, viel mehr als die Schule damals. Dennoch, sie „musste raus, etwas anderes sehen“.  

Als Graugnom auf der Bühne 

Das andere war Wien und ein Studium: Schauspiel und Jazzgesang am Prayner Konservatorium. „Eine gute Zeit“, erinnert sich die heute 43-Jährige. Noch vor dem Abschluss bekam sie ein Engagement am Theater der Jugend. Sie lächelt, wenn sie an die Auftritte als Räuber und Graugnom in Astrid Lindgrens Stück „Ronja Räubertochter“ denkt.  

Machen, was man will 

Tatsächlich war das Theater nur ein kleiner Umweg. Betty Sieber wollte mehr sehen, weiter weggehen, und so wurde es Berlin – und über weitere kleine Umwege wieder ein Fotostudio. Wohl gefühlt hat sie sich in der großen Stadt sofort: „Ich mochte diese ‚Berliner Schnauze‘. In Tirol sagt man ja auch, was man denkt.“  Was sie jedoch am meisten genossen hat: „Dass alles so offen war und dass man eigentlich alles machen kann, alles was man will. Wenn du die Kraft und die Energie hast, ist es egal, woher du kommst, was du vorher gemacht hast.“ Und sie erinnert sich an eine Silvesterparty in ihrer Wohnung mit Gästen aus mehr als 20 Nationen. „Dabei waren es nicht mal viele Leute“, sagt sie. „Es war einfach multikulturell, und in Berlin habe ich richtig gut Englisch gelernt.“ 

Mit Vollgas in die New Economy 

Überhaupt brachte ihr die Stadt beruflich Glück. Noch während sie nebenbei in einem renommierten Fotostudio arbeitete, erhielt sie das Angebot, für ein neues Online-Portal zu fotografieren. Zu einer Zeit, in der man noch in Geschäfte ging, um sich etwas Neues zum Anziehen zu kaufen. In Berlin aber dachte man schon einen Schritt weiter – brands4friends startete in die New Economy und Betty fotografierte, was das Zeug hielt. T-Shirts als Leger, T-Shirts auf Model, Schuhe, Taschen, Gürtel, Jacken … „Ich konnte dort von Grund auf ausprobieren und mitlernen“, sagt sie. Anfangs habe sie sogar gebügelt. Die Hierarchien waren flach, das Team groß, jeder machte alles –es herrschte Aufbruchstimmung.  

Beruflicher Boom 

Und mitten im Boom ging’s zu Zalando. Betty brachte die notwendige Erfahrung mit, auf ihrer Visitenkarte stand nun Head of Production. Alles war möglich. Sogar das darauffolgende Job-Angebot aus Hannover, wo sie zwei neue Online-Shops mit aufbaute, für die Mode-Labels Street One und Cecil. Mit all diesem Know-how ging sie zurück nach Berlin, beriet nun selbstständig Unternehmen wie Breuninger – bis sie schwanger wurde. Und ein Kind in Berlin großzuziehen, das konnte sich die Osttirolerin nicht vorstellen.  

Klarkommen – überall auf der Welt 

Sie zog mit ihrem Lebensgefährten Richtung Heidelberg. Jetzt, nach rund 25 Jahren „einfach mal raus und etwas anderes sehen“ ist Betty nach Lienz zurückgekommen. Die Mutter ist hier, die Schwester, der Vater, unzählige Cousinen und Cousins und natürlich ihre Freunde. „Viele, die auswärts waren, kommen wieder zurück“, sagt sie. „Es ist einfach toll; klein genug, um den Überblick zu bewahren und groß genug, um nicht ständig irgendwo anzuecken.“ Lienz habe gute Möglichkeiten. Was ihr die Region ohnehin mitgegeben habe war, „überall auf der Welt klarzukommen. Egal wo du hinkommst. Man wird hier ein bisschen zäher und trotzdem gibt es eine große Toleranz. Und dass man die Leute nimmt, wie sie sind“. Das habe ihr immer geholfen.  

Jeder ein Model 

Und nicht nur die Menschen, auch das Drumherum fühlt sich für sie gut an. „Allein das Brot“, schwärmt sie. „Hier wird noch aus Leidenschaft gebacken. Hier kannst du Brot ohne was drauf essen, so lecker ist das. Und dass du dir hier die Sachen wirklich beim Bauern holen kannst …“ Die Nähe der Berge, die sie früher so eingeengt habe, seien jetzt etwas Beruhigendes, wie eine Decke. „Und der Weitblick, wenn ich oben am Berg steh‘, das habe ich vermisst.“ Und so möchte sie auch „mit der Fotografie ins Private zurück.“ Ihr gefällt das miteinander Arbeiten auf Augenhöhe. Und ob privates Familienfoto, Team-Bild fürs Unternehmen – Betty weiß, dass sie aus jedem Menschen ein Model machen kann.  

Jedes Foto ein Event 

Sie erkennt sofort, welches Outfit passt, wie die Haare zu liegen haben. Und es spiele keine Rolle, ob jemand groß oder klein sei, dick oder dünn. Man könne aus jedem einen wunderschönen Menschen machen. Ihr größtes Anliegen: dass ihre Kunden wirklich zufrieden sind und Freude am Foto haben. „Mit einem guten Bewerbungsfoto gehst du viel selbstbewusster in jedes Gespräch“, ist ihre Erfahrung. Für Kindergärten oder Schulen könne man Szenerien schaffen, es sei einfach mehr als ein bloßes Ablichten. Sie bietet ein Setup unter Einbezug der Wünsche. Und etwas anderes ist ihr sehr wichtig: „Manchmal kommen Menschen, die im Beruf erfolgreich sind, aber das Fotografieren ist für sie wie ein Besuch beim Zahnarzt“, lacht sie und weiß: „Die Menschen müssen sich wohlfühlen.“ Und dass sie das tun, sieht man am Ende auf dem Bild. Nach einer Arbeit mit Empathie und dem Know-how einer Fotografin, die für international tätige Unternehmen erfolgreich gearbeitet hat.  

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© Janak Photo


Autorin:
Monika Hoeksema


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