„Am richtigen Ort zur richtigen Zeit“ – Heimkehrerin Lisa Gratl

Wien musste sein. Berlin auch. Und Graz. Die ganzen zehn Jahre, die Lisa Gratl weg von zu Hause verbrachte, betrachtet sie als wertvoll. Führten sie sie doch wieder zurück – nach Osttirol. Mit einem Koffer voller Erfahrungen, die ihr heute nutzen und dem Wissen, wieder angekommen zu sein.

Kaum war die Matura bestanden, packte Lisa Gratl mit 18 Jahren ihre Koffer und war unterwegs nach Graz. Dort studierte sie Musikwissenschaften und Pädagogik und genoss die Jahre in der Steiermark. Sie freute sich auf die Arbeit im Kulturbereich. Spannend waren dann auch die Aufgaben in einer Berliner Agentur für Musik, in München oblag ihr unter anderem das Organisieren eines Tanz- und Theaterfestivals, sie arbeitete bei den Musikwochen in Meran und beim Winterfest in Salzburg. Es folgte eine Stelle bei der Volksoper in Wien. Dann kam die Corona-Pandemie und mit ihr all die Einschränkungen im Kulturbereich.

Corona sorgte für den Absprung

„Nach drei Jahren in Wien war ich ohnehin auf der Suche nach einer neuen Herausforderung“, sagt die gebürtige Dölsacherin. Sie spürte eine Rastlosigkeit und habe in Wien „Osttirol sehr, sehr vermisst. Meine Familie, die Freunde“. Und nach einem längeren Gespräch mit der besten Freundin war klar: „Ich will zurück.“

Jetzt arbeitet sie im Versicherungsmakler-Büro ihres Vaters in Dölsach, macht das Front Office und absolviert gleichzeitig ein Fernstudium zur diplomierten Versicherungskauffrau. „Es ist eine Herausforderung, aber es geht sich alles aus“, sagt sie zuversichtlich. Sie habe eine ganz neue Richtung eingeschlagen, sich einfach hineingestürzt. „Ich wollte etwas Neues, Spannendes, und das habe ich am Schopf gepackt“, sagt Lisa Gratl. „Ich lerne jeden Tag dazu und habe genau die Herausforderung, die ich schon sehr lange gesucht habe.“ Denn: Es war im Grunde immer das Organisatorische, das ihr lag, und der Kontakt zu Kunden, der ihr Freude bereitet.

Einfach raus in die Natur gehen

Und in ihrer Freizeit macht sie nun das, was die 29-Jährige in der Stadt stets vermisste: das Radl packen, die Schlittschuhe oder die Skier und einfach hinaus in die Natur zu gehen, an die frische Luft. „Das habe ich früher gar nicht schätzen können“, erinnert sie sich. „Und heute gibt es keinen einzigen Tag, an dem ich sage, ich wäre doch wieder lieber in Wien oder in Berlin. Ich fühle mich wirklich am richtigen Ort zur richtigen Zeit.“ Ihre Leidenschaft zur Musik hat sie dennoch nicht aufgegeben: Als Klarinettistin spielt sie in der Musikkapelle Dölsach.


© Lisa Gratl


Autorin:
Monika Hoeksema


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